Ich erwachte neben meiner Assistentin ohne Erinnerung, dann erhielt ich ein kompromittierendes Foto und mein Bruder wurde kreidebleich

 

Ich erwachte neben meiner Assistentin in meinem eigenen Penthouse, ohne auch nur die kleinste Erinnerung an die Nacht zu haben, und als ich das Foto auf meinem Handy sah, wurde mein Bruder kreidebleich.

Das Morgenlicht fiel durch die riesigen Fenster und legte sich wie ein Verhörschein über das Schlafzimmer. In der Luft lagen der süße Geruch von Champagner, teures Parfüm und welke weiße Rosen. Sarah Mitchell lag unter meiner Decke, trug eines meiner weißen Hemden und hielt den Stoff so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Auf dem Boden lagen ihr zerknittertes schwarzes Kleid, ein einzelner Ohrring und meine Krawatte, deren silberne Klammer verbogen war.

— Mein Gott, Daniel, flüsterte sie.

Ich richtete mich auf. Mein Kopf dröhnte, als hätte jemand darin gegen eine Metalltür geschlagen.

— Ich weiß nicht, wie wir hierhergekommen sind.

Sarah sah mich an, dann das Hemd an ihrem Körper.

— Du erinnerst dich an gar nichts?

— Nach meiner Rede auf der Firmenfeier ist alles verschwunden.

Sie sprang aus dem Bett und stolperte über ihren schwarzen Absatz. So war sie immer, wenn sie nervös wurde: brillant, loyal und plötzlich unfähig, sich durch einen Raum zu bewegen, ohne etwas umzustoßen. Seit zwei Jahren war sie meine Assistentin. Ich kannte ihre Kaffeebestellung, ihre Termine und sogar die Art, wie sie die Lippen zusammenpresste, wenn sie mich gleich einen Idioten nennen wollte.

Aber ich hatte nie zugelassen, dass sie hinter meine privaten Mauern sah.

— Wir haben getanzt, sagte sie und rieb sich die Schläfen. — Ich erinnere mich an die Lichter. An den Champagner. An Jason mit seiner neuen Freundin. Danach nur noch Lücken.

Mein Handy sprang endlich an. Drei verpasste Anrufe von meinem Bruder Nathan, mehrere Nachrichten vom Sicherheitsleiter und ein Bild von einer unbekannten Nummer.

Ich öffnete es.

Darauf hielt ich Sarah gegen eine dunkle Wand gedrückt. Ihre Beine lagen um meine Hüften, ihre Finger waren in mein Haar gekrallt, und wir küssten uns, als würde die Welt um uns herum brennen.

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Sarah sah das Bild und schlug sich die Hand vor den Mund.

— Das zerstört meine Laufbahn.

— Ich werde nicht zulassen, dass man dir etwas anhängt.

— Du bist mein Vorgesetzter. Alles, was du sagst, klingt entweder wie eine Drohung oder wie ein Versuch, mich zu retten.

In diesem Moment klingelte ihr Telefon. Sie nahm ab und sagte kein Wort. Während sie zuhörte, verschwand die Farbe aus ihrem Gesicht.

— Die Personalabteilung will uns am Montag sehen, sagte sie schließlich. — Jemand hat eine Beschwerde wegen unangemessenen Verhaltens eingereicht.

Dann vibrierte mein Handy erneut. Diesmal zeigte die Nachricht einen grauen, versiegelten Umschlag auf einem Holztisch. Mein Name stand mit schwarzer Tinte darauf. Daneben lag eine abgerissene blaue Knopfnaht, genau wie an meiner Jacke.

Unter dem Bild stand nur ein Satz: Öffnen Sie ihn, bevor Sie mit der Personalabteilung sprechen. Sie müssen wissen, wer das vorbereitet hat.

Meine Hand bewegte sich langsam auf den Umschlag zu, während Sarah den Atem anhielt und hinter uns im Flur plötzlich der Aufzug anschlug…

TEIL 2

Meine Hand bewegte sich langsam auf den Umschlag zu, während Sarah den Atem anhielt und hinter uns im Flur plötzlich der Aufzug anschlug. Ich berührte das graue Papier, zog die Hand aber sofort zurück. Der Umschlag war kalt, obwohl die Sonne längst durch die Fenster brannte.

— Öffne ihn nicht allein, sagte Sarah.

— Du hast recht.

— Nein, Daniel. Ich meine: Öffne ihn überhaupt nur, wenn wir wissen, wer ihn geschickt hat.

Ich sah auf die blaue Naht neben dem Umschlag. Sie stammte von meiner Jacke, die ich gestern auf der Feier getragen hatte. Irgendjemand hatte sie abgerissen oder bewusst dort platziert. Beides machte mir den Magen schwer.

Ich riss das Siegel auf.

Im Umschlag lagen eine Kopie der Aufzeichnung aus dem Festsaal, eine Getränkeliste und ein kleiner Kontrollbogen des Veranstalters. Neben Sarahs Namen war ein Cocktail vermerkt, den sie niemals bestellt hatte. Darunter lag die schriftliche Aussage eines Aufzugswächters: Er hatte einen Mann gesehen, der etwas in Sarahs Glas schüttete, während sie mit Jason stritt.

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Sarah presste beide Hände gegen ihr Gesicht.

— Jason war direkt hinter mir.

Jason war ihr ehemaliger Freund. Der Mann, der gestern mit seiner neuen Freundin erschienen war und wiederholt erklärt hatte, er sei endlich mit einer „wirklich ehrgeizigen Frau“ zusammen.

— Wir können ihn nicht allein deshalb beschuldigen, sagte ich.

— Dann sieh dir die Aufzeichnung an.

Um halb zehn am Vormittag öffnete ich die Datei auf meinem Rechner. Das Bild war körnig, aber deutlich genug. Sarah stand an der Bar und hielt ihr Glas mit beiden Händen. Jason trat hinter sie, lächelte in Richtung einer Person außerhalb des Bildes und strich mit zwei Fingern über den Glasrand.

Wenige Minuten später erschien ich neben Sarah. Ich sah, wie sie schwankte. Meine Hand legte sich an ihren Rücken, und ich führte sie zur Terrasse. In meinem Gesicht lag keine Gier. Nur Sorge.

— Du hast mich nicht allein gelassen, flüsterte Sarah.

— Ich hätte dich nach Hause bringen müssen.

— Vielleicht hast du genau das getan.

Die Aufzeichnung wechselte zurück in den Saal. Wir tanzten. Sarah hielt meine Krawatte, ich meine Hände an ihrer Taille. Von außen sahen wir verliebt aus. Nicht bewusstlos. Nicht gezwungen. Trotzdem erklärte das nicht, warum keiner von uns sich an das Schlafzimmer erinnerte.

Um elf Uhr rief Marcus, unser Sicherheitsleiter, an. Er bestätigte, dass er uns bis zum Penthouse begleitet hatte. Bevor er ging, hatte er geprüft, ob wir bei Bewusstsein waren.

— Sarah wollte bleiben, sagte Marcus. — Sie hat es ganz klar gesagt.

— Warum hat mir das niemand erzählt?

Am anderen Ende entstand eine lange Pause.

— Weil die Beschwerde nicht von einem gewöhnlichen Mitarbeiter kam, Herr Cross. Sie kam vom Verwaltungsrat.

Mein Magen zog sich zusammen. Seit Monaten drängten die Mitglieder des Rates darauf, meine Stimmrechte einzuschränken. Wenn man mich wegen Machtmissbrauchs suspendierte, konnten sie die Führung übernehmen.

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Sarah zog das letzte Blatt aus dem Umschlag. Es war ein Finanzbericht mit geheimen Überweisungen an eine Firma, die Victor Hale, einem der mächtigsten Verwaltungsräte, gehörte.

— Ich habe diese Zahlen letzte Woche gefunden, sagte sie. — Ich wollte sie dir am Montag zeigen.

Da klingelte es. Auf dem Bildschirm der Tür erschien Jennifer aus der Personalabteilung, begleitet von zwei fremden Männern. Sie hob eine rote Mappe vor die Kamera.

— Daniel, öffnen Sie. Wir haben eine Anordnung, alle Rechner mitzunehmen und Ihren Zugang zum Unternehmen sofort zu sperren…

cta_

TEIL 3

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