Meine Schwiegermutter erklärte meine Wohnung zum Eigentum ihres Sohnes – doch als ich sie hinausbat, verlor sie plötzlich jede Farbe

Als meine Schwiegermutter vor meiner Wohnungstür behauptete, sie werde von nun an hier wohnen, wusste ich, dass mein Mann sie längst auf meine Seite des Lebens gelassen hatte.

Es war Freitag, kurz nach sieben Uhr abends. Im Treppenhaus roch es nach nasser Wolle und dem Reinigungsmittel, mit dem die Hausmeisterin jeden Freitag die Stufen wischte. Vor meiner Tür standen zwei große Reisetaschen, eine beige und eine dunkelgrüne mit abgeriebenen Griffen. Nina Wassiljewna hielt den Schlüsselbund meines Mannes in der Hand.

Ich blieb auf der Fußmatte stehen.

– Was soll das sein?

Sie lächelte, als hätte ich eine harmlose Frage gestellt.

– Das siehst du doch. Ich bringe meine Sachen. Es ist für alle einfacher, wenn ich nicht ständig hin und her fahren muss.

Hinter ihr erschien Sergej. Er trug noch seinen Arbeitsmantel, und an seinem rechten Ärmel klebte ein heller Papierfetzen. Er sah mich nicht an.

– Rimma, bitte fang nicht sofort an, sagte er. – Wir haben darüber gesprochen.

– Wir?

Nina nahm eine Reisetasche und ging an mir vorbei.

– Dein Mann und ich. Er weiß schließlich, was für die Familie richtig ist.

Meine Wohnung. Das war der Satz, den ich nicht aussprach. Meine Wohnung, die meine Eltern mir mit sechsundzwanzig Jahren überschrieben hatten. Meine Wohnung, für die ich jahrelang gespart, renoviert und jeden Raum selbst geplant hatte. Sergej hatte Geld in die Renovierung gesteckt, ja. Aber er hatte nie behauptet, dadurch Eigentümer zu werden.

Bis zu diesem Abend.

– Stell die Tasche wieder vor die Tür, sagte ich.

Nina blieb mitten im Flur stehen. Der Metallanhänger an ihrem Schlüsselbund schlug gegen die Tasche und klirrte.

– Wie bitte?

– Sie bleiben nicht hier. Nicht ohne meine Zustimmung.

Sergej hob endlich den Kopf.

– Sie ist meine Mutter.

– Und ich bin deine Frau. Trotzdem hast du mich nicht gefragt.

Nina verschränkte die Arme.

– Dieses Haus gehört doch meinem Sohn. Er bezahlt die Rechnungen, er hat den Umbau mitfinanziert. Außerdem ist er der Mann in dieser Familie.

Ich spürte mein Herz bis in den Hals schlagen. Meine Hände waren kalt, aber meine Stimme blieb ruhig.

– Nein. Diese Wohnung gehört mir. Das steht im Grundbuch.

Nina lachte leise.

– Du glaubst wirklich, ein Stück Papier macht dich zur Herrin?

– Nein. Das Gesetz macht mich zur Eigentümerin.

Sergej trat zwischen uns.

– Rimma, hör auf, so mit ihr zu reden.

– Ich rede seit Monaten ruhig mit euch. Ich habe gebeten, verhandelt und gewartet. Du hast jedes Mal gesagt: später.

Die Worte fielen in den schmalen Flur wie schwere Gegenstände. Neben der Garderobe hing noch immer der kleine Messingschlüssel an einem roten Stoffband, den mein Vater vor seinem Tod anfertigen ließ. Er hatte ihn an den Haken gehängt und gesagt: „Damit du immer weißt, wo du hingehörst.“

Ich sah ihn an und begriff, dass ich in meiner eigenen Wohnung längst um Erlaubnis bat.

– Nina Wassiljewna, sagte ich, – nehmen Sie Ihre Taschen und gehen Sie.

Ihr Gesicht veränderte sich.

– Sergej, hast du das gehört?

Er schwieg.

– Dein Sohn kann dir helfen, eine andere Unterkunft zu finden. Aber du wirst nicht hier einziehen.

Nina nahm langsam ihre Handtasche vom Boden. Dann zog sie einen Umschlag aus dem Seitenfach. Das Papier war an einer Ecke geknickt.

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– Bevor ich gehe, solltest du lesen, was Sergej unterschrieben hat.

Er machte einen Schritt auf sie zu.

– Mama, nicht jetzt.

– Doch. Jetzt.

Sie legte den Umschlag auf die Kommode, direkt neben den kleinen Messingschlüssel. Dann griff Sergej danach, und seine Finger schwebten über dem Papier…

TEIL 2

Dann griff Sergej nach dem Umschlag, doch ich legte meine Hand auf seine.

– Nein, sagte ich. – Wenn darin etwas steht, was mich betrifft, lese ich es selbst.

Seine Finger zuckten zurück. Nina beobachtete uns mit einem Ausdruck, der beinahe triumphierend wirkte. Im Flur tickte die kleine Wanduhr, die seit Monaten fünf Minuten nachging. Jeder Schlag klang lauter als der vorherige.

Ich nahm den Umschlag. Er war nicht verschlossen, sondern nur mit einer schmalen Klammer zusammengehalten. Darin lag ein Blatt mit einem Firmenzeichen, das ich nicht kannte, und darunter mehrere Zeilen, die Sergejs Unterschrift trugen.

Ich las nur den ersten Absatz.

Es ging um eine angebliche Zustimmung zur Veräußerung der Wohnung.

Mir wurde heiß.

– Was ist das?

Sergej fuhr sich über den Mund.

– Nichts, was du jetzt dramatisieren musst.

– Hier steht, dass du berechtigt bist, über die Wohnung zu verfügen.

– Das ist ein Entwurf.

– Warum steht deine Unterschrift darunter?

Nina setzte sich auf die Bank unter dem Spiegel und strich ihren Rock glatt.

– Weil Sergej versucht, die Dinge zu ordnen. Du hast doch selbst gesagt, dass die Wohnung zu groß für eine Person ist.

– Ich habe nie gesagt, dass ihr sie verkaufen dürft.

– Es geht nicht um dürfen, erwiderte sie. – Es geht darum, dass in einer Ehe jeder vernünftig handeln muss.

Ich sah Sergej an.

– Hast du vorgehabt, meine Wohnung zu verkaufen?

– Nein.

– Warum unterschreibst du dann eine Vollmacht?

Er schwieg zu lange.

Am Montagmorgen fuhr ich nicht direkt zur Arbeit. Um acht Uhr stand ich vor dem Grundbuchamt. Der Regen lief in dünnen Bahnen über die Scheiben, und meine nassen Ärmel klebten an den Handgelenken. Ich zeigte meinen Ausweis und beantragte einen aktuellen Grundbuchauszug.

Die Sachbearbeiterin, eine Frau mit rotem Brillenband, blätterte durch die Unterlagen.

– Es gibt keinen Eigentümerwechsel, sagte sie. – Aber vor drei Wochen wurde eine notarielle Anfrage gestellt.

– Von wem?

Sie zögerte.

– Von einem Herrn Sergej Petrow. Er hat angegeben, im Auftrag der Eigentümerin zu handeln.

Mein Magen zog sich zusammen.

– Ich habe ihn nie bevollmächtigt.

– Dann sollten Sie unverzüglich mit einem Notar oder einer Rechtsanwältin sprechen.

Am Nachmittag fuhr ich zu meiner früheren Kollegin Alina, die inzwischen als Anwältin arbeitete. Ihr Büro lag über einer Bäckerei, und der Geruch von warmem Hefeteig stieg durch das Treppenhaus.

Alina legte die Kopie auf den Tisch und nahm ihre Brille ab.

– Diese Vollmacht ist nicht nur ein Entwurf, Rimma. Jemand hat versucht, damit einen Verkauf vorzubereiten.

– Kann Sergej das einfach tun?

– Nein. Aber wenn ein Notar getäuscht wird, kann sehr viel passieren, bevor jemand es bemerkt.

– Was soll ich machen?

Sie sah mich fest an.

– Änder sofort das Türschloss. Sichere deine Unterlagen. Und sprich nicht mehr allein mit ihm, wenn du glaubst, dass er dich unter Druck setzt.

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Ich fuhr noch am selben Abend nach Hause. Das Schloss klickte zweimal, als ich den Schlüssel drehte. Auf dem Küchentisch lag eine Rechnung für einen Makler. Darunter hatte Sergej mit schwarzem Kugelschreiber geschrieben: „Nur ein Gespräch.“

Er saß im Wohnzimmer.

– Du warst bei Alina, sagte er.

– Ja.

– Du machst aus allem einen Krieg.

– Du hast versucht, meine Wohnung als deine auszugeben.

Er stand auf. Sein Gesicht war müde, aber seine Stimme wurde hart.

– Ich wollte nur eine Lösung für meine Mutter.

– Eine Lösung, bei der ich mein Zuhause verliere?

Nina trat aus dem Schlafzimmer. Sie trug meinen hellen Morgenmantel.

– Wir müssen endlich aufhören, so zu tun, als wäre diese Wohnung nur deine, sagte sie.

Ich starrte sie an.

– Ziehen Sie ihn aus.

Sie lächelte kalt.

– Du wirst dich noch wundern, was dein Mann alles unterschrieben hat.

In diesem Augenblick klingelte mein Telefon. Alina war am anderen Ende. Ihre Stimme klang plötzlich gepresst.

– Rimma, komm morgen früh zu mir. Ich habe gerade eine weitere Datei bekommen. Und du musst wissen, wer sie mir geschickt hat…

TEIL 3

Und du musst wissen, wer sie mir geschickt hat, sagte Alina noch einmal.

Am nächsten Morgen saß ich in ihrem Büro, während draußen die Straßenbahn quietschend um die Kurve fuhr. Auf dem Tisch lagen drei Ausdrucke, ein Speichergerät und eine beglaubigte Kopie meiner Schenkungsurkunde.

– Die Dateien kamen von der Hausverwaltung, erklärte Alina. – Sie haben eine Anfrage erhalten, ob Sergej berechtigt ist, als Eigentümer aufzutreten.

– Wer hat gefragt?

Alina drehte den Bildschirm zu mir.

– Ein Kreditinstitut. Dein Mann hat offenbar versucht, mit der Wohnung als Sicherheit ein Darlehen aufzunehmen.

Ich hörte nur noch mein eigenes Atmen.

– Wofür?

– Für eine Schuld, die nicht aus der Renovierung stammt.

Sie schob mir einen weiteren Ausdruck hin. Darauf standen mehrere Überweisungen an ein Unternehmen, das Nina Wassiljewna gehörte. Beratungsleistungen. Vermittlungsgebühren. Monat für Monat.

– Seine Mutter hat diese Firma vor zwei Jahren gegründet, sagte Alina. – Sergej hat ihr Geld überwiesen. Sehr viel Geld.

Ich dachte an die Rechnungen, die er mir als gemeinsame Ausgaben gezeigt hatte. An die angeblich hohen Handwerkerkosten. An die Abende, an denen er sagte, sein Konto sei leer.

– Das kann nicht sein.

– Es gibt noch etwas.

Alina steckte das Speichergerät in ihren Computer. Ein Datum erschien: der Abend, an dem ich früher von der Arbeit nach Hause gekommen war und die zusätzlichen Taschen im Flur gestanden hatten.

Dann hörte ich Sergejs Stimme.

– Wenn Rimma die Vollmacht unterschreibt, können wir die Wohnung beleihen. Danach ziehen Mama und ich in die größere Wohnung am Park.

Ninas Stimme antwortete ruhig:

– Und wenn sie nicht unterschreibt?

– Dann bringen wir sie dazu zu glauben, dass sie ohne mich alles verliert.

Ich presste beide Hände auf meinen Mund. Mein Körper fühlte sich an, als würde er von innen ausgehöhlt.

Die Aufnahme lief weiter.

– Sie darf nicht erfahren, dass ich die Renovierungsrechnungen übertrieben habe, sagte Sergej. – Sonst merkt sie, dass ich fast das gesamte Geld meiner Mutter gegeben habe.

Alina stoppte die Wiedergabe.

Niemand sprach.

– Die Kamera im Eingangsbereich hat den Ton nicht aufgenommen, erklärte sie. – Aber ein Nachbar hatte in seiner Wohnung ein geöffnetes Fenster. Er hat die Unterhaltung mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet, weil er dachte, jemand würde sich streiten.

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– Ist das überhaupt zulässig?

– Das entscheidet später ein Gericht. Aber die Überweisungen, die gefälschte Vollmacht und die Zeugenaussage sind unabhängig davon wichtig.

Ich starrte auf den Bildschirm.

– Ich habe ihn geliebt.

– Das macht dich nicht dumm, sagte Alina leise. – Es bedeutet nur, dass er dein Vertrauen benutzt hat.

Am Abend ging ich mit Alina und einem Gerichtsvollzieher in meine Wohnung. Sergej und Nina saßen im Wohnzimmer. Auf dem Tisch stand ein halb ausgetrunkener Tee, daneben lagen Immobilienprospekte.

– Was soll das? fragte Sergej.

– Du bekommst eine einstweilige Verfügung, antwortete Alina. – Du darfst die Wohnung nicht betreten, keine Unterlagen entfernen und keine Veräußerung vorbereiten.

Nina sprang auf.

– Das ist unser Zuhause!

– Nein, sagte ich. – Es war nie eures.

Sergej sah mich an, und in seinem Gesicht lag zum ersten Mal keine Überlegenheit, sondern nackte Angst.

– Rimma, wir können darüber reden.

– Wir haben geredet. Du hast nur nie zugehört.

Der Gerichtsvollzieher legte das Schreiben vor ihn.

– Unterschreiben Sie den Empfang.

Sergej nahm den Stift. Seine Hand zitterte.

In diesem Moment klingelte Alinas Telefon. Sie nahm ab, hörte einige Sekunden zu und sah dann mich an.

– Die Bank hat den Kredit gestoppt. Aber die Staatsanwaltschaft hat heute Morgen eine Durchsuchung bei Ninas Firma angeordnet.

Sergej riss den Kopf hoch.

– Was?

Alina senkte das Telefon.

– Und sie suchen dort nicht nur nach Unterlagen zur Wohnung. Sie suchen nach Beweisen für weitere Betroffene.

Nina wurde plötzlich ganz still. Ihr Blick fiel auf Sergej.

– Du hast gesagt, es gäbe niemanden außer Rimma.

Sergej sagte nichts.

Da begriff ich, dass der Betrug größer war, als ich gedacht hatte. Und während draußen vor dem Haus ein Polizeifahrzeug hielt, wusste Sergej noch nicht, dass die schlimmste Nachricht nicht aus meiner Wohnung kommen würde…

LETZTER TEIL

Dann hörte Sergej seine eigene Stimme aus dem Lautsprecher…

Ich dachte, der schlimmste Moment wäre die Wahrheit im Umschlag. Doch danach begann erst der Kampf um mein Zuhause.
Im letzten Teil fällt jede Maske.

Dann spielte die Anwältin die Aufnahme ab.
„Ich unterschreibe alles, wenn Rimma nichts merkt.“
Sergej wurde kreidebleich.

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