
TEIL 4
„…auf einer Lüge beruhte.“ Dr. Neumann legte das Dokument auf den Tisch.
Eric starrte darauf, als wäre es ein Urteil.
— Das ist unmöglich — sagte er.
— Nein — erwiderte die Anwältin. — Es ist nur unangenehm.
Ich setzte mich auf die Armlehne des Sessels. Meine Knie zitterten so stark, dass ich beide Füße gegen den Teppich presste. Neben mir schlief Jonas. Sein kleiner Mund stand offen, und eine Milchblase glänzte an seiner Oberlippe.
Dr. Neumann schlug die Mappe auf.
— Die Überweisung über vierundzwanzigtausend Euro ging nicht an eine geschäftliche Zwischenfirma. Das Konto gehört Vanessa Krüger.
Eric fuhr herum.
— Sie hat mich bestohlen!
— Sie hat die Kontoauszüge an mich geschickt — sagte Dr. Neumann. — Zusammen mit den Nachrichten, in denen Sie ihr versprechen, dass diese Wohnung bald frei sein wird.
Ich sah Eric an.
— Frei?
Er hob beide Hände.
— Das war eine Redewendung.
— Du hast ihr geschrieben, dass ich mit den Kindern verschwinden werde.
— Ich war wütend.
— Du hast ihr geschrieben, dass du nach der Reise „endlich ein richtiges Leben“ beginnen würdest.
Er schwieg.
Das Telefon in Claras Tasche klingelte. Sie sah auf den Bildschirm.
— Die Behörde.
Eric machte einen Schritt nach vorn.
— Gib mir das Telefon.
— Nein.
— Das ist mein Eigentum.
— Und diese Kinder sind nicht dein Eigentum — sagte Clara.
Dr. Neumann nahm ihr das Telefon ab und schaltete den Lautsprecher ein.
— Guten Abend, hier ist das Jugendamt. Spreche ich mit Frau Berger?
— Ja — sagte ich.
— Wir haben heute eine umfangreiche Meldung erhalten. Darin wird behauptet, dass Sie seit der Geburt die Kinder unbeaufsichtigt lassen, Medikamente missbrauchen und mehrfach geäußert hätten, Sie wollten nicht mehr leben.
Ich bekam kaum Luft.
Eric sah zur Seite.
— Das stimmt nicht — sagte ich.
— Das wissen wir inzwischen. Uns wurden zusätzlich die Originalnachrichten und eine Tonaufnahme übermittelt. Außerdem liegt uns die Bestätigung der Klinik vor, dass Sie die Kinder seit der Entlassung ohne eine einzige versäumte Untersuchung versorgen.
Eric flüsterte:
— Vanessa.
Zum ersten Mal klang ihr Name bei ihm nicht zärtlich, sondern wie ein Fluch.
Dr. Neumann reichte mir ein weiteres Blatt.
— Sie hat alles geschickt, weil sie heute erfahren hat, dass Eric ihr nicht die Wahrheit über seine Ehe gesagt hat. Offenbar wusste sie nichts von den Drillingen.
— Ich wusste nicht, dass sie schwanger war — sagte Eric sofort.
Clara lachte bitter.
— Du wusstest nicht, dass deine eigene Frau schwanger war?
— Ich meinte, dass sie nicht wusste, dass ich verheiratet bin.
Der Satz fiel in den Raum und blieb dort liegen.
Ich fühlte keinen Schmerz mehr. Nur eine erschreckende Klarheit.
Dr. Neumann nahm ihren Mantel.
— Ich werde dem Gericht mitteilen, dass ich Eric nicht weiter vertrete. Frau Berger, wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine Kollegin empfehlen.
— Ich möchte — sagte ich.
Eric griff nach ihrem Arm.
— Sie können mich nicht einfach fallen lassen.
Sie zog den Arm zurück.
— Sie haben Ihre Frau und drei Kinder fallen lassen. Ich lehne lediglich ein Mandat ab.
Am nächsten Morgen schliefen die Drillinge bei Clara im Schlafzimmer. Ich saß in der Küche, als mein Telefon klingelte. Eine unbekannte Nummer.
— Frau Berger? Hier ist die Klinikleitung. Wir müssen mit Ihnen über die Geburtsunterlagen sprechen.
Mein Herz setzte aus.
— Was ist mit ihnen?
— Bei der internen Prüfung wurde festgestellt, dass jemand vor der Entlassung versucht hat, die Vaterschaftsangaben in der Akte zu ändern.
Ich sah durch die offene Tür zu den drei Wiegen.
— Wer?
Am anderen Ende entstand eine Pause.
— Wir können es erst sagen, wenn Sie heute persönlich kommen. Aber die Änderung wurde nicht von Ihrem Mann vorgenommen. Sie wurde mit den Zugangsdaten einer Person eingetragen, die behauptet, eines der Kinder sei nicht Ihres…








